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Mittelalterliches

Gefüllte Gurken
Rinderrouladen
Blauer Krautzchohl
Geschmälzte Spätzle
Renaissance-Huhn im Winter
Honigwein
Blancmanger

 

 

Gefüllte Gurken

ein Rezept nach Franz de Rontzier aus seinem "Kunstbuch von mancherley Essen" (1598)

Zutaten für 3 - 4 Personen:

- 2 ausgewachsene Salatgurken oder 3 - 4 kleinere Gemüsegurken oder auch Zucchini oder junge Kürbisse
- 400g - 500g gehacktes Kalbfleisch (oder Hackfleisch)
- ca. 100g Weißbrot, Brötchen oder Semmelbrösel
- 3 Eier
- 1 TL gemahlener oder frischer geriebener Ingwer
- 1 EL Salz
- 1/4 l Brühe
- 2 EL Butter
- 5 EL Kapern

Von gefüllten Augurken: Augurken soll man schälen, wenn sie alt sind, aber nicht, wenn sie jung sind. Man hackt Kalbfleisch mit Eiern, Weißbrot, zerstoßenem Ingwer und ein wenig Salz, füllt die Augurken damit und macht sie fertig in Kapern, Butter und ein wenig Brühe.

Bei alten oder kleinen sehr dunkelgrünen Gurken-Exemplaren ist es wirklich sinnvoll sie geschält zu verwenden, wenn die Schale hart ist lässt sich das Innere sonst leider nur schlecht auslöffeln.

Das Brot in etwas Wasser oder Milch einweichen und sehr gut ausdrücken, dann klein zerpflücken und mit den Eiern, dem Ingwer und Salz gut unter das Hackfleisch kneten. Die Gurken mit einem scharfen Löffel aushöhlen*, dann die Fleischmasse hineinstreichen und leicht "aufhäufeln". In eine feuerfeste Form legen und mit Brühe angießen, die Butter und die Kapern mit in die Brühe geben oder locker über die Gurken verteilen. Bei 220ºC für ca. 30min im Ofen backen.

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Rinderrouladen
Alloyaux de beuf
Faictes lesches de la char du trumel, et enveloppez dedans mouelle et gresse de beuf: puis embrochiez, rostissiez et mengiez au sel.
Rinderrouladen
Schneidet feine Scheiben von der Hesse des Rindes und rollt in sie ein wenig Mark und Fett vom Rind ein. Spießt sie auf, bratet sie und eßt sie mit Salz.


Zutaten:
6 sehr dünne Scheiben vom Rind, aus der Hesse geschnitten
100 g Nierenfett vom Rind
80 - 100 g Rindermark
Salz
Zahnstocher aus Holz
Zubereitung:

Das Fett in 6 Stücke schneiden, so dünn wie möglich. Das Mark in feine Rädchen schneiden. Jede Fleischscheibe mit Salz bestreuen und eine Scheibe Fett drauflegen, dann mit den Markrädchen überstreuen. Zu einer Roulade rollen. Mit einem Zahnstocher verschließen. Auf dem Rost 10 Minuten braten, nach 5 Minuten wenden. Mit feinem Salz servieren.
Primärquelle: Menagier de Paris
Sekundärquelle: Kochkunst des Mittelalters

Bemerkung:
Im Gegensatz zu den heutigen Rouladen, die in der Pfannezubereitet werden, haben wir herausgefunden, lohnt es sich dem o.a. Rezept auch in der Zubereitung zu folgen. Durch das Grillen auf dem Rost wird ein Fettbad verhindert und die Rouladen bleiben saftig.
Statt mit Zahnstochern oder Rouladennadeln gesteckt, können die Rouladen auch mit festem Leinenzwirn geschnürt werden, dann halten sie besser.

Eine Alternative Füllung:
Pro Roulade:
1 EL scharfer Senf
1 Streifen Speck oder Rauchfleisch
1/2 Essiggurke in feinen Streifen
1 hartgekochtes Ei
2 Tassen Rotwein
2 Tassen Brühe
2 feingehackte Zwiebeln
eine Hand voll feingehackte Pilze
1-2 Dolden Holunderbeeren oder 1 EL Preiselbeermarmelade
Rosmarin, Thymian, Salz, Pfeffer
100g Sahne
Zubereitung:

Rouladenfleisch innen mit Senf bestreichen, pfeffern und salzen. 1 Scheibe Speck drauflegen, darauf mehrere Essiggurkenstreifen. Zuletzt das Ei draufpacken. Das ganze zu einer Roulade wickeln und verschließen.
In einer hohen Pfanne von jeder Seite kurz anbraten, feingehackte Zwiebeln und Pilze dazugeben. Mit Rotwein und Brühe auf gießen. Nun die Holunderdolden oder Preiselbeermarmelade dazugeben. Mit Rosmarin, Thymian, Salz und Pfeffer abschmecken.
Zugedeckt ca. 20 bis 30 Minuten köcheln lassen. Zuletzt die Holunderstiele herausfischen, die Soße mit Sahne verfeinern und abbinden.
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Blauer Krautzchohl

Rotkohl oder Blaukraut nach einem Rezept der feinschmeckerischen "Welserin"

Zutaten für 6 Personen:
1 Kopf Rotkohl (ca. 1000g)
1/8 1 Rotwein
4 EL Preiselbeeren
4 EL Johannisbeergelee
1 TL Zimtpulver
1 TL gemahlener Ingwer
4 zerstoßene Nelken
2 Lorbeerblätter
1 EL Zucker
Salz Pfeffer
6 EL Apfelmus
6 EL süße Sahne

Zubereitung:

Den Rotkohl putzen, die äußeren, welken Blätter entfernen, den Kohl vierteln, die Strunkteile heraustrennen und den Kohl dann raspeln oder nudelig schneiden, mit dem Rotwein aufkochen und nach 15 Minuten die Preiselbeeren, das Johannisbeergelee und die Gewürze unterheben. Noch 45 Minuten zugedeckt auf milder Hitze weitergaren. Apfelmus und Sahne unterziehen und je nach Geschmack noch stärker würzen.

Kraut schmeckt wieder aufgewärmt fast noch besser als frisch.
"Wovon man besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt."
Wilhelm Busch

Primärquelle: Kochbuch der Philippine Welser
Sekundärquelle: Wie man ein teutsches Mannsbild bei Kräften hält

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Geschmälzte Spätzle

Zutaten:
350g Mehl
2 l Wasser
4 - 5 Eier
1 EL Salz
50g Schmalz
20g Butter
1 Bund Petersilie
Salz, Muskatnuss

Zubereitung:

Das Mehl in eine Schüssel sieben. Die Eier nacheinander dazugeben und vermengen, bis der Teig z…h ist. Die Butter zerlassen und unterkneten. Salz und eine Prise Muskat zugeben, einen elastischen Teig kneten und ca. 30 Minuten quellen lassen In einem großen, breiten Topf inzwischen Salzwasser aufsetzen und zum Kochen bringen Das Backbrett ins Wasser tauchen, etwas Teig draufgeben und mit einem Messer feine Teigstreifen ins sprudelnde Wasser schaben. Das Messer dabei immer wieder in kaltes Wasser tauchen. Die Nudeln müssen schwimmen, deshalb schaben Sie immer nur soviel, als gut Platz im Topf haben. Tauchen die Nudeln wieder an der Wasseroberfläche auf, sind sie gar.
Mit einer Schaumkelle herausnehmen, unter kaltem Wasser abschrecken, abtropfen lassen und in einer Pfanne im zerlassenen Schmalz schmälzen. Mit gehackter Petersilie bestreut servieren.

 

Die Mönche im Kloster zu Tegernsee liebten sie besonders an Tagen, an denen kein Fleisch serviert wurde, aber sie sind auch eine köstliche Beilage zum Fleisch
Bemerkung
Der Teig funktioniert auch ohne Butter sehr gut, so man die Hälfte des Wassers durch Vollmilch ersetzt.

Primärquelle: Tegernseer Klosterkochbuch
Sekundärquelle: Wie man ein teutsches Mannsbild bei Kräften hält

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Renaissance-Huhn im Winter

Huhn mit Orangen und Zitronen        

The Good Huswife's Handmaide For the Kitchen, 1594:

Zutaten:

ca. 1,2 kg Huhn oder Kapaun
1 TL Olivenöl
1 TL Butter
1 1/2 Tassen Hühnerbrühe
1 TL Rosenwasser
1 Tasse Weißwein
2 Orangen (ungespritzt!) geschält und in Achtel geschnitten
2 Zitronen oder Limonen (ungespritzt!) geschält und geachtelt
4 Dörrpflaumen, grob gehackt
4 Datteln, grob gehackt
1/2 Tasse Korinthen oder Rosinen
1 gute Prise Salz
1/4 TL Pfefferkörner
1/2 TL ganze Nelken
1/2 TL Muskatblüte, gemahlen
nach Geschmack eine Prise Zucker

Zubereitung:

Die Vorgabe nennt einen sogenannten "dutch oven" aber man kann auch einen Bräter und eine Backröhre nehmen. Öl und Butter zusammen darin erhitzen, Hühnerteile salzen und gut anbräunen. Mit Hühnerbrühe, Rosenwasser und Wein aufgiessen und 20 min köcheln lassen. Dann die Zitrusfrüchte und die restlichen Zutaten dazugeben. Pfeffer und Nelken gibt man am besten in ein Tee-Ei  (schmeckt nämlich wirklich nicht, sollte man draufbeißen). Alles zusammen nochmal ca. 15 min köcheln lassen bis das Huhn gar ist. Mittelaltertypisch wird das Gekochte in einer großen Schüssel über geröstetem Brot angerichtet.

Quelle: Medieval Feasts - chicken with orange and lemon

TO BOILE A CAPON
WITH ORENGES AND LEMMONS

Take Orenges or Lemmons pilled, and cutte them the long way, and if you can keepe your cloves whole and put them into your best broth of Mutton or Capon with prunes and currants and three or fowre dates, and when these have beene well sodden put whole pepper, great mace, a good peece of suger, and some rose water, and either white or claret Wine, and let all these seeth together a while, so serve it upon soppes with your capon.

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Honigwein

1 kg Honig in ca. 2 L warmen Wassers auflösen, in ein Glas- oder Keramikgefäß füllen und etwas abkühlen lassen. Wenn die Flüssigkeit nur noch lauwarm ist, die Hefe* hinzufügen und gründlich verrühren. ½ TL Ingwer in ein feingewebtes Tuch geben, zuknoten, hineinhängen.

Das Gefäß (nicht zu fest) verschließen oder mit einem Tuch bedecken. Ein Gäraufsatz ist noch besser, sonst steht eine Infektion durch Essigfliegen zu befürchten! Darauf achten, daß in dem Gefäß etwa 10 % Steigraum bleibt.
Bei Zimmertemperatur oder auf einem lauwarmen Heizkörper 2-3 Tage gären lassen. Dann den Wein durch einen Filter (zB. Kaffeefilter mit Filtertüte) geben um Schaum und Schwebstoffe abzufangen und zum sofortigen Trinken in eine Karaffe füllen. Richtig abfiltern kann man die Hefe mit dieser einfachen Methode nicht! Dh sie gärt weiter - aufgrund der Sorte bis zu zwei Jahre!!!Beim Abfüllen in Flaschen also Deckel nur lose auflegen und bald verbrauchen. Man kann aber zu jedem beliebigen Zeitpunkt schon trinken.

Ich habe den Ansatz vor 3 Wochen gemacht und die erste Portion nach 3 Tagen entnommen, das Ergebnis schmeckt ein bisschen wie Federweißer. Nach einer Woche hatte ich noch ca. 1/2 Liter lauwarmes Wasser dazugetan, denn der Wein war mir zu süß. Den Rest hatte ich noch ca 2 Wochen stehen und dann erst abgekocht um die Hefe abzutöten. Allerdings zu spät, ich hatte schon Essig - wenn auch einen recht leichten und schmackigen. Den trinke ich jetzt schlückchenweise nach dem Essen.

*Im Mittelalter hatten/kannten die Leute nur Back- und oder Bierhefe. Beide sind aber nicht optimal, denn bei der Backhefe ensteht fast gar kein Alkohol als Ergebnis, bei der Bierhefe nur bis zu etwa 8%. Eine Weinhefe, z.B. Portweinhefe, macht aus der selben Menge Honig aber bis zu 16/18% Alkohol.
Eine Portion Weinhefe in 100 ml sterilen Apfelsaft geben und zwei Tage gehen lassen. Wenn eine Menge Honigwein über 10 L angesetzt werden soll, gibt man nach zwei Tagen noch einmal 100 ml sterilen Apfelsaft dazu. Für jede weiteren 10 bis 20 L jeweils noch einmal nach je zwei Tagen je 100 ml sterilen Apfelsaft, dadurch hat die Hefe einen so guten Start, daß sie die antibakterielle Wirkung des Honigs übersteht und sich ordentlich durch den Zucker kämpfen kann.

 

Diese moderne Version der Honigweinherstellung entstammt der liebevollen und kompetenten Beratung von Hans-Georg Schaaf vom Zaubertrank in Hamburg. Sie verzichtet auf die im Mittelalter notwendige Erhitzung bis zum Kochen und die dadurch bedingte Zerstörung der antibakteriellen Honigwirkung.

ZAUBERTRANK
Winterhuder Weg 24
D - 22085 Hamburg
040 / 220 06 04
www.zaubertrank-hamburg.de - Die Adresse für köstliche Obstweine, Liköre, Säfte, Essige - zum Kauf und im Ausschank - außerdem Gelees, Fruchtzubereitungen und Ritusprodukte. Regelmäßige Veranstaltungsthemen: Bardennacht, Erzählabend, Gewandungstreffen, Hexenstammtisch, Schamanencirkel, Vikingrtreffen, nordische Mythologie, Braukurse, ...

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Blancmanger - die typisch mittelalterliche Speise

Zutaten für 6 Personen:

200 g Mandeln, abgezogen
100 ml Wasser, kaltes
100 ml Milch, kalte
150 g Zucker
Blatt Gelatine, weiße
½ Liter Sahne
Tropfen Bittermandelöl

Zubereitung:

In einem Mörser die Mandeln so fein wie möglich zerstoßen und nach und nach das Wasser zugießen. Dann die Milch hinzufügen und die Mandeln mit dem Stößel zerreiben. Dieser Schritt funktioniert auch in einem Mixer - aber Geduld, die Masse wird immer dicker. Die so gewonnene Mandelmilch zusammen mit dem Zucker in einen Topf geben. Die Mischung bei niedriger Temperatur 2 bis 3 Minuten erhitzen, aber nicht zum Kochen bringen.
Den Topf von der Kochstelle nehmen. Eine Stoffserviette über eine große Schüssel legen und die Mischung nach und nach auf die Serviette gießen. Die Serviette fest zusammendrehen, um die ganze Mandelmilch auszupressen.

Die Gelatine bei schwacher Hitze in einem kleinen Topf mit 200 ml Wasser auflösen. Einige Minuten erhitzen und abschäumen. Die aufgelöste Gelatine unter die Mandelmilch geben; abkühlen lassen, bis sie lauwarm ist.
Die Sahne steif schlagen und unterziehen. Das Bittermandelöl mit unterziehen. Die Masse in eine 1 1/4 l fassende Form oder in kleine Flanförmchen geben und für etwa 5 Stunden an einen kühlen Platz oder in den Kühlschrank stellen.

Das Blancmanger war ein beliebtes Zwischengericht bei Banketten, ungewürzt auch als Krankenspeise zur Kräftigung gereicht, aber kein Hauptgericht. Es war natürlich nur im adeligen und klerikalen Milieu weit verbreitet, der "normale" Stadtbewohner oder gar Bauer hatte nur wenig Möglichkeiten, an weiße Mandeln heran zu kommen, denn sie wurden per Handel über die Alpen gebracht.

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