Schriftstellerfütterung

Zouzou. [...] Das ist einer der Basisgedanken unseres Staates: Jegliche Arbeit, die Menschen nicht freiwillig in Angriff nehmen, den Maschinen! Alle Tätigkeiten, die Menschen als motivierend empfinden, den Menschen!

Annika. Ist das das, was Karl Marx ursprünglich vorhatte?

Zouzou. Weder Karl Marx noch Adam Smith vermochten vorauszusehen, dass im einundzwanzigsten Jahrhundert nahezu unbegrenzte Roboterarbeit zur Verfügung stehen würde. Karl Marx gedachte, ein Motivationsschema beruhend auf Freiwilligkeit und gutem Willen einzuführen – wenn erst die Produktionsmittel in den Händen der Arbeiter seien, würden diese aus ihrer Arbeit hinreichend Lust und persönlichen Gewinn ziehen, um sich ohne Androhung von Lohnkürzungen oder Entlassungen eifrig ins Zeug zu legen; Adam Smith dagegen verließ sich – aus damaliger Sicht realistischer – auf das Motivationsschema der Belohnung von Arbeitseinsatz und Bestrafung von Faulheit mittels Verteilung oder Entzug der Fiktivressource Geld. Keiner von beiden hätte sich je träumen lassen, dass es zukünftig Produktionsmittel geben würde, die sich von selbst unermüdlich ans Werk machen, mit minimaler Intervention von Seiten der Menschen. Wir nennen unser Wirtschaftssystem weder Kommunismus – denn es hat wenig mit Karl Marxens Visionen einer paradiesischen Ewigkeit nach Überwindung der Klassengegensätze zu tun – noch Kapitalismus – denn es beruht nicht auf Vermarktung – sondern ressourcenbasierte Ökonomie.

 

In der Welt, in der ich lebe, herrscht noch keine ressourcenbasierte Ökonomie. Wir benötigen Zahlungsmittel, um Güter und Dienstleistungen einzukaufen, die Zahlungsmittel erhalten wir als Gegenleistung für Arbeit. Das Schreiben von Büchern ‒ insbesondere, wenn es sich um so umschwungreiche Giganten wie "Curiepolis" handelt ‒ ist eine anstrengende, komplizierte, manchmal sogar aufreibende Arbeit, in die man jeden Tag mindestens einige Stunden investieren sollte.

Bislang wurden Schriftsteller meist erst nach Veröffentlichung ihres Werkes bezahlt. Doch das Digitale Zeitalter eröffnet die interessante Möglichkeit, sich bei der Arbeit gewissermaßen auf die Finger schauen zu lassen; ich fände es bemerkenswert, wenn sich auf diese Weise ein "crowdgefundetes Literaturstipendium" realisieren ließe.

 

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Fabian Herrmann, 2016 ‒ 17

 

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