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"Sie werden viel arbeiten müssen" ‒ Alfred Döblin zum jungen Arno Schmidt, als dieser ihm erzählte, Schriftsteller werden zu wollen. Hiermit hatte Döblin sicherlich recht: Denn Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit! Hier informiere ich euch (semi-)regelmäßig über die Fortschritte besagter Arbeit.

 


 

INHALT

Etymino-Forschungsprogramm: 26. Oktober 17

Surrealistisch-expressionistischer Achtundsechziger-Psychedelic-Cyberpunk: 16. Oktober 17

Das Berlin-Level: 6. Oktober 17

 

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Etymino-Forschungsprogramm: 26. Oktober 17

 

Keine Sorge: Es geht voran! (Auch wenn ich einige Tage lang kein Update geschrieben habe...) Nach der GASL-Tagung machte ich einen Abstecher nach München, wo ich Freunde besuchte, und hielt anschließend noch einen Kerntechnik-Vortrag bei der "Langen Nacht der Wissenschaften" in Erlangen. Inzwischen bin ich wieder glücklich in Berlin angelangt, und die Arbeit an Curiepolis geht wacker weiter!

Das Etymino-Forschungsprogramm macht Fortschritte, obwohl ich es aufgrund algorithmischer Finessen nicht innerhalb des sportlich angekündigten Zeitrahmens "zwei-drei Tage nach der GASL-Tagung" fertigstellen konnte:

 

 

"Sind das nicht eher Rückschritte - computerhistorisch?", mag nun Mancher schmunzelnd fragen. Manchmal muss man ein Stück zurückgehen, um mit Anlauf die Zukunft zu erobern: Die Curiepolitaner nutzen ja Monster-Desktop-PCs mit vierundsechzig kryogen gekühlten Zwanzig-Gigahertz-CPUs und einer Nuklidbatterie als Stromquelle - mit einem Betriebssystem, das wie ein Zwischending aus Commodore 64, MS-DOS und frühen Unix-Inkarnationen wirkt, im Grafikmodus 640x480x16. Ein rudimentäres Minimum an Anwendersoftware ist standardmäßig installiert - ein Text- und ein Grafikeditor und natürlich ein Compiler für die Sprache Curie++. In der Republik der Genies hat man sich darauf besonnen, dass der Sinn von Computern im Programmieren besteht - und nicht darin, in icks hohlköpfigen Internetforen herumzumähren und dreidimensionale Spiele zu zocken. Wer Spiele möchte, kann solche programmieren; ebenso eine Textverarbeitung, einen Integrator für partielle Differentialgleichungen, eine Datenbank- oder Astronomieanwendung oder ein neues Betriebssystem nach eigenem Geschmack! So war es auch auf unserer Vollzugsebene Usus - in den 1980ern und frühen 90ern. Das Design des Forschungsprogramms kommt also nicht von ungefähr.

Die Schwierigkeiten, die ich beim Erstellen des Sourcecodes hatte, waren im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass Processing nicht unbedingt für die Erstellung interaktiver Programme (mit Menüs, Eingabezeilen, etc.) optimiert ist. Tastatur und Maus werden nur am Ende der Hauptschleife abgefragt, die sechzigmal pro Sekunde durchlaufen wird. Dies erfordert eine völlig andere Herangehensweise an interaktive Funktionen als z. B. unter C/C++. Folgender Code wäre so in Processing nicht möglich:

char n[50];
printf("Gib deinen Namen ein:\n");
scanf("%s", n);
printf("Hallo, %s!\n", n);

Stattdessen muss ein Ereignisbaum konstruiert werden, der nach einem Tastendruck oder Mausklick je nach Programmsituation in die richtige Subroutine abzweigt. Das ist nicht ganz einfach, aber durchaus möglich, und das Programm nimmt allmählich Gestalt an! Wenn alles nach Plan läuft, dürfte die Version 1.0 gegen Ende der Woche fertig sein.

 

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Surrealistisch-expressionistischer Achtundsechziger-Psychedelic-Cyberpunk: 16. Oktober 17

 

Wie ruhig S ist: Nachmittag in den Abend spätwinternd; Hand schlendert grüblich bäuchleinwärts, Näschen gekeckt in den Himmel – tagelang fastfarblos steinern: so dass man kaum daran denkt, dass es ihn gibt, mit Cirren, Düsenflugzeugen, Sternen – plötzlich reingefegt tintentrotzblau, Siebzehnuhrbesonn schrägwarmt Schimmertrost in opalblaues Zweigeäug...

 

S das da jetzt? Freu mich ja wie'n Wiedehopf im Klee, dass'se diesjährig n Sträußchen Frühblüher zu unserer vereisgrauten Vieljahrestagung gehonicht – wie alt der wohl – seit dem ein&andren Äon sehen die mir alle wie achtzehn aus; dabei hat der auch schon Stahlwolle auf'm Kopp – ei=dennoch: jung wie'n Krokuss im Februar. Mit der Frisur hätt er'n guten alten ARNO schreiend in die Flucht – Gammler=Hippie, so 1en kannt ich mal, in New York. Was's eigentlich mit diesem Bild? Haut einen irrgendwie nieder. Glaub, der malt gerne den Balkon der (un?)holdn Weiblichkeit, dochdoch, wieschongedacht: jung wie'n kecker KroKuss – &&was mit Computerleins auch: S das der Himmel? Computerhimmel in Pixelblau über frühblühender Weiblichkeit in läutendem Orange. Nu erklärt unser Proff Leidherr uns was. (Sind'wa alle, alles=alles LeidHerrn!) Was mit so'm WILLIAM DSCHIPPSON (= mal nachsehen). All-So: der wuttstockhaarige Krokus = so'n obskurer Neo-AuTor & macht was, was teils mit'm WILLIAM DSCHIPPSON, teils mit ARNO zu tun hat, und die mandaringepinselte Aquarellschlanke, die ihren Mantel so frühlingsprächtig füllt, steht damit in irrgend'm Zusammenhang. So weit, so bong. Nu liest er, mal hin=hörn.

 

Jedes Detail rätselhaft, das raum-zeitliche Gesamtbild aber rührt wie ein Donnerschlag – glockenklar und zugleich abgrundtief singende kosmische Stimmgabel, die aus den kristallinischen Tiefen eines Quasars herausragt und das Allerinnerste der Seele erschüttert mit ihrem Klang jenseits aller irdischen Instrumente und Komponisten.

 

Mm? Nu. Jetz versteh ich'n bissl, warum – Hmdoch, da ARNOSCHMIDTL'S, hört'ma raus. N Epigone: WOLLSCHLÄGER Nummero Zwo? (Wolle hatt'er ja genuck auf'm Kopp...) Obwohl – na! Antimon=Antimond (S n dass eigntlich fürn Zeuch? Mal nachsehen). Stimme ganz klar cosmoschweighäusersch-raumgewaltig, der sollt Hörbücher – kann nich behaupten, dass ich das alles begreife, n Haufn Schemie Füsik Mattematick zwischen (glaub mich zu entsinn'n, Wollschlägerkrokus hat sowas studiert?); na, 1 iss klaa: S n innerer DiaLog, aus Sicht der Tangerinendame, & die hat allerleirauhe WissnSchafftlichKoitn im Köpfl & fühlt sich alleine. Jetzt erklärt er was. (Aussehen dieser Texteinblendungen? Wie auf'm Computerlein, das ich mal hatte, zirka drei=vierundneunzich.) N Längerer Gedankenspieler qua Selbst-Identifikation (na, hätt man sich bei der Frisur –), die Mandarinenzarte nennt er Annika Palmstroem, sehr MORGENSTELLAR! Iss unterwegs in'ne Gelehrtenrepublik, die diesmal nich! untergeht!! (Letzteres fast gebrüllt; hui) – besagte Republik: titelgebende Curiepolis. Ho=humm: Wenn so'n ARNOides Geschreib auf so'ne langhaarige Sonnenaufgangsmentalität trifft – stellt sich irrgendwie im Kopp quer, aber auf gute Art&Weise. Als ob man inn'n Hirnwindungn ne Tür findet, die man bisher übersehen hat, & dahinter iss so'n CARROLL=MärchnGartn.

 

Annika tihihit (gnügnüsslich hochgesichelten Augs & selbst kaum gewiss: weshalbworüber), sagt mit feierlicher Gebärde: „Cyberia!“ Schon quillquallflirrt'S in der Luft, subsichtbare Schwärme tanzen den Konvektionswalzer & umschlingquicken sich – Nebel zu Fläch- und Kantenmechanik, Selbstordnung Auskristallisation, herzschlagschwuppdrauf steht er da: Curiepolis-Pezeeh.

 

Wie hat Proff Leidherr eingehens? – bei der Vorbesprechung hamm se überlegt, ob sie zur wollköpfigen Curiepolesung berauschende SuppsTanzen austeiln – schafft der Text schon spielnd alleine. Der sollt hoffn, dass sein Buch nich auf die Liste verbotener Stöffelchen – Spiraln&Bögn aus GoldGlut! Dieser Newyorker Hippie damals: hat mir so'n Brief – da muss er himmelhochhigh gewesen – ganz ähnlich. (Sollt den Brief mal Woll(schläger)kopf zeign, könnt ihn inträssiern...)

 

Dya schnellt sich – Projektil in schmettergeglocktem Faltenröckchen – in orbitale Höhen (hübsch die Rundsicht hier oben: parabelnd durch kaltknattrige Dünnlüfte, drüber nur noch der Sternendom in seinem schwejkhejtren Donnergang, das Möbiusband in tiefster Ferne, fernster Tiefe, geschrumpft zum Nebelstreif) und MARVt nieder, Machkegelndtrifftdieblankeschärfe vorausgezückt. Dya Rienzi Ectropian Fanatic Final Crush!

 

Jetzt erklärt er wieder was? Girlpower (– wär da die deutsche Übersetzung? Frauenpower iss Ahtens nur ne halbe Übersetzung & Beetens was ganz andres, nämlich mehr sowas mit nudelholzschwingenden Wilmas&sonstigen Süffraschettn;) in KyprisPoLies scheintS dagegen um kniestrümpfigste Mägdgen zu gehen? Allerdings eben mit Cyberspace&&Kosmologie&&Girlpower! & keine gelehrsamen Elflein wie weiland Franziska Jacobi (hehe, wollkopfens Glaukon-Vergleich iss irrgndwie – treffnd!) – jetz sind se wohl schon auf'm fernen Planeten (Tlön? Ei=ja, türlich: BORGES an den Tanz), treffn dort nen Peter Ananke, der'n Hund hat, n Hund namens HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA – namens Dän. Soso. HEHEHEHEHE – dochdoch, S witzich, nich unebnes ödinger Scherzl. Pilze & Möbiusbänder. (Sollt wirklich mal den Brief von diesm großäpflernen Hippie –) Proff Leidherr wird rührig: Dreiviertelstunde wohl um? Müssn zeitich gen Ödingen starten; Wollkrokus hat wohl noch MaterialMassn, die er lesen möcht=könnt. Aber elegant ins Fade-Out! S hat was. Wird man von hören: Wenn er fleißig weiterarbeitet – ohnjednzweifl: kommt mir vor wie'n regelrechter Fanaticker, sümbjotisch verwachsn mit seinem Buch. S hat was: Expressjo- & Surrealism & keins von beidm, das'S schon ne sehr=eigne Klasse. & optimistisch, doch=sehr: Völlich anders als was'se heutzutaach inner Pollügtick. Achtundsechziger, LängereLanghaarGedanknspieler, hatten solche Einfälle: RobotÖkonomie ohn jedn Tropfn menschlichen Schweißes – pollitische Botschaft? = Nee, Kunst nich verpollügtisiern? ( Jaja, sehr=eigne Klasse, sollt man im Auge behaltn...)

 

Obiger Text ist teils ein Amalgam der Reaktionen, die ich auf meinen GASL-Vortrag bekam; teils beruht er auf meinen Vermutungen, was in den Köpfen vieler Zuhörer währenddessen wohl ablief. Hier gibt es nun Texte && Bilder zum Download:

 

GASL-Bilder-Texte.zip (20 MB via Mediafire)

 

  • Text eins: leicht gekürzte Fassung der Bahnhofsszene - Annika wartet in Hinterföhren auf den Zug und gedankenspielt dabei munter drauflos.
  • Text zwo: Auszug aus einer Neufassung der Aufwachszene (Annika erwacht nach ihrer Transformation zur Curiepolitanerin) - jüngster Text der Sammlung, erst vor wenigen Tagen fertiggestellt!
  • Nummer drei: Die ebenfalls vor noch nicht allzu langer Zeit verfasste Curiepolis-PC-Szene, in der Annika in einem Tempelchen zu Füßen von Timothy Leary und Norbert Wiener ein Pagodenprogramm schreibt.
  • Viertens: Die Mittagsszene auf Tlön. Annika et al. mit Peter und Dän auf der Terrasse einer Imbissstube im Hochtal-Dörfchen Borkendorf.
  • Text numero fünf! Die Schlacht um die Dorfbücherei, von der ich aus Zeitgründen leider nur den Anfang vorlesen konnte. (Doch man soll ja stets an der spannendsten Stelle aufhören.) Am Tag vor dem Vortrag habe ich noch eine Illustration für diese Szene erstellt: Meine erste Zeichnung von Dya Rienzi!
  • BONUS: Ursprünglich wollte ich - nicht zuletzt wegen des offensichtlichen ARNO-SCHMIDT-Bezuges - die Leviathan-Szene aus der Tlön-Kontinuität vorlesen; ich entschied mich stattdessen für die Dorfbücherei-Schlacht. Die Leviathan-Szene ist, zusammen mit einer passenden Illustration, als Bonus in dem Paket enthalten!

 

Bonus-Illustration (Leviathan-Szene)
Der Finale Grund; Satz vom Grund der Höhle; sie hatten ihn erreicht: hier hauste der Leviathan. Sie vermuteten Löwen- oder Drachensymbolik. Ein winziges, griesblasses Licht schimmerte in einiger Entfernung: drauf zu. Kein Monstrum: Ein mickriger, gebeugter Mann...

 

Im Laufe der nächsten Tage werde ich noch das Etymino-Programm fertigstellen (d.h. ich muss die Sourcecodeschnipsel, mit denen ich die Illustrationen kreierte, zu einem Gesamtprogramm zusammenfassen und eine kleine Benutzeroberfläche dafür entwickeln); morgen oder übermorgen sollte es hier zum Download bereitstehen.

 

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Das Berlin-Level: 6. Oktober 17

 

Ohne jeden Zweifel werden Schriftsteller stark durch die Landschaft beeinflusst, in der sie leben - das Berlin-Level gab es allerdings schon, bevor ich in diese Stadt umzog: Eine kurze Zwischenepisode, in der Annika et al. in Berlin auf Carmen und Alexa treffen, um von jenen dann flugs nach Tlön verfrachtet zu werden. Es sollte niemanden verwundern, dass ich diesen Abschnitt nun stark ausbaue.

 

Schnarrsimmsumm wie ne Geigensaite n Bahngleis-dreißigsekvorzug n Hochspannungsdraht: Auf&&davon in schummrigste westberliner Abendtinte (durchschillert von Fleischrosa && knattrigem Silberlametta; dedeärrwärts alles nächtig&&stille, bis auf gelegentliche Leuchtkugeln überm Niemandsland – zwischen Sozialismusstrumpf && Adamsmithfaltenröcklein...) – „Saacht mal: ohne Ummauerung würd die Stadt lautlos in die brandenburgischen Wälder suppen, sich ausdehnen wie ne Pfütze ohne Mulde, an den Rändern mit Baum&&Gras&&Pilz&&Waldwindröschen verkrauten. Die Mauer hält sie zusammen. Soll heißen: Ohne Mauer würdS vielleicht aufhörn, Stadt zu sein, nur noch ne endlose Häuserherde im Grünen? Oder?“ – Annika. Dya: „Na, frag die platonischen Neutestamentler von Drüben. Denen fehlt die Einfassung: Aus berliner Perspektive sind sie die Freien. (So ulkigS klingt!)“ Summ&&brumm der Nervenstrang, glimmend wie Luciferin et Luciferase innig – an ner Industriebaracke vorbei: aufgegeben, Gliederfüßern Tauben Flatterratten übereignet; ob die dankbar sind? – Flieder && n knutschendes Pärchen unterm rostzerfressenen Ladekran; Schriftzug: Sirupfabrik Schultheiß, einzelnes Lämpelglüh weizengelb&&vergittert wirft n diesigen Lichtteich – der Knabe hatn überdimensionalen Iro von dämmerwegen unentscheidbarer Farbe, S Mädel's drall&&rund, selbst Alexa wirkt wie'n Ofenrohr im Vergleich... die Kofferheule, auf Flüsterphontsal reduziert && auf dem Drehtisch des Krans neben'm flickrigen Teelicht &&'m Ex-Gurkenglas voll Gras aufgebaut, nuschelt ihr Liedchen && die Kleindicke quiekst verhuscht: „Nimm deinen Kaugummi raus, Emil!“ (Hikari: „Tihi, süß!“) Halbschühchen klippklapp auf Schotter Asphalt Sand (jaja, Sandboden, nix als Sandboden) && S Pärchen zuckt nicht einmal. Irina: „Scheint, die können den Nerv weder sehen noch hören. Nur wir && Bernd && Alfred.“ Annika: „Wo er wohl endgültig hingeht?“ Dya: „Dies rauszufinden sindwa aufgebrochen! Gedulde dich && folge Mme. Bauchnabel!“ – die tänzelt munter voraus!, sechsarmig wirbelnd im Schwarzvioletthauch: sausigstiller Taifun von Gliedern Kosmotasma Bauch, hinten wackeln Kugeln auch. Der Nerv schlängt sich zwischen dünne Birkenstämme, (jenseits derer irrgendwo die Mauer), Carmen&&Alexa tuscheln kichern miteinander, Emil spuckt seinen Kaugummi aus, ruft: „Hee! Ihr seid nicht etwa die von vorgestern?“

 

Es handelt sich nicht um das heutige Berlin, sondern um das geteilte des Jahres 1983. Die Mädchen - zweitweilig von Mme. Bauchnabel begleitet (die nämlich noch viel zu wenig in der Geschichte vorkommt) - folgen einem langen Nervenstrang, der von einem riesigen Gehirn ausgeht, das ein kleines Holzhaus in der nordwestdeutschen Tiefebene fast vollständig ausfüllt - und sogar zum Dach herauszuwachsen beginnt -, da Alexa es mithilfe eines C-64-Computerleins in enormem Maße mit Information "aufgeplustert" hat.

 

Alleen ohne Anfang&&Ende: endlose Korridore aus Laternenlichtgeklecks, Bäumen, zwei- dreistöckigen Villen mit Dächern wie enorme Insektenpanzer. Architektur-Coleoptera, an denen das uralte Darwinsche Prinzip der Variation sich ausgetobt hat: Stets gleicher Grundplan, zu immer neuen Formen abgewandelt, keins gleicht dem anderen. Rundtürmchen, Zahnärzte, Erker && Balkone && Rechtsanwälte && Lehrer && unpassende fastklassizistische Stelen – Anschlag am Baum: „Suchen Mathematiknachhilfe für unsere Tochter (Oberstufe/Abitur); 30 DM/Stunde Verhandlungsbasis“ [Dya: „Na, Annika, hättest nicht Lust?“ ; Annika: „Ha!“ ; Irina: „Wie meinst du das?“ ; Annika: „Ha! Früher öfters versucht, macht keinen Spaß. Das sind Mädchen, die wissen wollen, was sie in der Prüfung hinschreiben müssen. Erzählst ihnen was Interessantes – wie's in einem Neutronenstern ausschaut, wie Insekten fliegen oder 'ne Kathedrale konstruiert ist – zicken sie schrecklich, giften: Das kommt im Stoff nicht vor! Frustrierend. Außerdem werden sie aggressiv, wenn die Nachhilfelehrerin jünger ist als sie.“ ; Carmen: „Aber immerhin dreißig Deemark pro Stund! Ack! Mein Schuh schon wieder...“ ; Dya: „Naja, in Curiepolis wären die drei bunten Papierstückchen weniger wertvoll als Klopapier! Hab'S mal versucht...“ ; Hikari: „Was denn?“ ; Dya: „Na, mich mit'm papiernen Zahlungsmittel... ihr wisst schon. Kratzt && absorbiert fast nix.“ ; Tutti: „Gnihihihi...!“] – Giebel, Ölheizungsschlote, Yagiantennen, Journalisten von ZEIT Stern Focus BILD, keine Gartenzwerge, sondern in Form geheckscherte Tujas (eine sogar in Gestalt der Minerva; sicher'n Lateinlehrer), Waschbär tapert über'n Weg, Wintergärten Veranden Außentreppen Dachterrassen – vereinzelt bauhäuserne Schachtelei mit enormen Fensterfronten – da&&dort glimmt noch ne Lampe honigkuchen (Artikel über'n Fahrradkonflikt muss bis morgen fertig sein || Klassenarbeiten korrigieren). Käuzchen schluchzen in Herbstlaubfinsternis && zuweilen treten Dächer Baumkronen zurück, geben den Blick frei auf den sozialistischen Horizont, über dem Leuchtkugelkaskaden aufsteigen. Die Allee zieht in weiten Schwüngen, sich mit großem Krümmungsradius hierhin-dorthin biegend, durch die Einfamilienmosaiklandschaft – kore könnt' die Orientierung verlieren, wenn der glimmende Nervenstrang nicht wär, und der läuft unbeirrbar auf die Mauer zu.

 

Diejenigen, die Berlin kennen, werden erraten können, welcher Stadtteil hier gemeint ist. (Hinweis: Er liegt im äußersten Norden an der Stadtgrenze, bzw. vor 1989 eben hart am Eisernen Vorhang.) Wo der Nerv wohl endet?

Momentan arbeite ich nichtlinear: Zwischen Schlossmuseum und dem hohen Norden Berlins fehlen noch zwo-drei Abschnitte. Ich wollte in diesem Fall erst einmal klären, wo ich mit der Geschichte hin möchte, so dass ich den Weg sorgsam planen kann.

 

Stärker im Vordergrund als die Weiterarbeit am Buch selber stehen momentan allerdings die Vorbereitungen für den curiepolitanischen Jahreshöhepunkt: Die Arno-Schmidt-Tagung in Celle! Im Laufe der letzten Tage grübelte ich ein wenig, wie genau ich meinen dortigen Beitrag gestalten sollte, da es sich ja diesmal um keine reine Lesung, sondern (auch) um einen theoretischen Vortrag handeln soll! Als ich jedoch soeben beim Eierkuchenbacken entspannt über diese Frage meditierte, kam ich auf eine einleuchtende, elegante Lösung. Das Wochenende wird unter dem Zeichen der Ausarbeitung des Vortrags stehen, so dass ich kommenden Donnerstag ganz getrost nach Celle fahren kann.

 

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Fabian Herrmann, 2016 ‒ 17

 

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