DAS SCHWEIGEN DER BÜRGER

von Gerald Wolf (Die Achse des Guten, 07. Juni 2026)

Bilder, Anmerkungen & Links: Nikolas Dikigoros

Man muss kein Pessimist sein, um deutlich zu spüren, dass es mit Deutschland bergab geht. Wo aber bleibt der Aufschrei der Bürger? Warum lassen so viele sich alles gefallen? Warum schweigen sie?

Das Schweigen der Bürger? Nein, „Lämmer“ muss es heißen. Denn Lämmer sind es, die da schweigen. Nämlich in dem berühmten Roman von Thomas Harris und den daraus abgeleiteten Filmen. Eigentlich ist es dort umgekehrt, da schreien die Lämmer und schweigen nicht. Weil sie zur Schlachtung geführt werden. Die Romanheldin Clarice leidet darunter, im Traum und am helllichten Tage. Sie erhofft sich das Schweigen dieser armen Tiere, indem sie mindestens eines von ihnen rettet. Und unsere Bürger? Da ist es umgekehrt, sie schweigen. Zwar gibt es unter ihnen einzelne, die schreien, denn dafür gibt es Grund genug: Firmenpleiten, Vergraulen der Leistungsträger, Verhätschelung der Leistungsverweigerer, galoppierende Preise, Verfall von Brücken und Wohnungen, Verödung von Dörfern und Kleinstädten, Unterdrückung der Opposition. Da sollten es doch viel mehr sein, die schreien. Viel, viel mehr, wünschen sich die Bürger. Und schweigen. „Was soll man denn da sagen?“, heißt es bei ihnen und: „Nein, ich sage lieber nichts!“

Vor Jahren noch, da ging man zu Hunderten und zu Tausenden auf die Straße, um gegen die Regierungspolitik zu demonstrieren. Slogans wurden skandiert, und Polizisten reagierten mit Wasserwerfern und Verhaftungen. Was waren das eigentlich für Leute, diese Polizisten? Oft genug Familienväter und -mütter. Auch dem Wesen nach liebenswerte Söhne und Töchter. Und wer waren die Journalisten, die friedlichen Demonstranten nachsagten, Pegida-Leuten zum Beispiel, sie würden „aufmarschieren“?

Der großzügigste Zahler der EU

Sollte man doch lieber schreien? Allenfalls ist einem danach, wenn man seine Informationen über das Hier und Heute nicht aus den staatlich geförderten Medien bezieht. Dann wird vieles klar, was ansonsten eher trübe ist. Zum Beispiel, warum die Wachstumsrate der Wirtschaft in Deutschland ständig fällt. Auf null % womöglich, oder gar ins Minus rutscht. Energieprobleme seien der Grund, so heißt es offiziell, der Iran, das CO2 und damit der Klimawandel. Und wie, fragt man sich, sieht das in den anderen EU-Ländern aus? Immerhin sind wir ja Teil der EU und sollten über die anderen Teilnehmer-Staaten viel besser informiert sein. Stattdessen erfährt man Tag für Tag und wiederholt etwas über Länder und Regionen, die einen weit weniger oder überhaupt nicht interessieren. Mit Bezug auf unsere Wirtschaft zum Beispiel wende ich mich, der Autor, an – tja, an wen? Zum Beispiel an meine Freundin, die ChatGPT. Sie antwortet:

"Reale BIP-Wachstumsraten 2025 für ausgewählte EU-Länder (gegenüber 2024): Irland +12,3 %, Malta +4,0 %, Zypern + 3,8 %, Dänemark + 3,6 %.

Und so weiter. EU-27 insgesamt: +1,5 % reales BIP-Wachstum 2025. Und Deutschland? Ist von allen EU-Staaten der letzte. – Aha!

Apropos EU, in der Regel wird dazu „Europa“ gesagt, wennschon der Flächenanteil am Kontinent gerade mal 42 % beträgt. Der von Russland ist fast genauso groß. Dabei bedenke man Russlands „Rest“, der bis zum Pazifik reicht! Nicht weniger interessant ist, so beim Befragen von ChatGPT: Unter den 27 Mitgliedstaaten der EU rechnet man mit 10 Nettozahlern. Darunter ist – von Haus aus wohl – unser Deutschland. Der großzügigste Zahler übrigens! Die Europäische Union mit ihren vielen Nationen und Sprachen und Kulturen, ist sie dennoch stabil, fragt man sich. Als Jugoslawien in den 1990er Jahren seinen politischen Schirm verlor, löste es sich umgehend in Einzelstaaten auf. Manche wurden politische Gegner. Und was würde aus der EU, sollte sie irgendwann einmal auch einen solchen Weg gehen?

Gastgeber Deutschland

Unsere Außengrenzen sind die der EU. Ist doch herrlich, da will jemand mit dem Auto oder als Spaziergänger zu uns, er kommt aus den Niederlanden, aus Frankreich oder aus Polen oder der Slowakei, und keine Grenze! Zwar mag da irgendwo auch mal ein Grenzpfahl stehen, aber nichts ist mit Ausweis vorzeigen oder gar mit Visumzwang. Das gilt natürlich nicht für Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, aus solchen, die nicht zur EU gehören. Oder? Wie ist das eigentlich mit Schengen? – Ja … also, da soll der Ruf „Asyl!“ genügen, und schon ist man da, bei uns, dort, wo man gerne hin will.

Ganz anders, wenn unsereiner nach irgendwohin reist, nach Indien zum Beispiel. So wie ich kürzlich als Mitglied einer Reisegruppe. Da hatte sich doch der Ehemann einer Mitreisenden beim Ausfüllen seines Visumantrags einen Zahlendreher geleistet, einen winzigen, und Schluss war's mit lustig! Der Leiter unserer Reisegruppe mühte sich redlich, schaltete schließlich das Konsulat ein und – gegen Ende der Reise – mit Erfolg: Der Teilnehmer durfte zur Gruppe aufschließen. Zu seiner Ehefrau. Mit einem anderen Flugzeug und das auf eigene Kosten.

Wie herrlich aufgeschlossen Fremden gegenüber – bzw. aufschließbar – wir hingegen in Deutschland sind! Herrlich für die Anderen. Das beweist schon das „Stadtbild“, wovon der Bundeskanzler einst sprach. Oft ist dort von uns, den gastfreundlichen Bürgern, niemand zu sehen. Und wenn doch, dann werden wir gar nicht so selten von den Gästen attackiert, tödlich sogar! 2024 waren laut Polizeilicher Kriminalstatistik 41,8 % der polizeilich erfassten Tatverdächtigen nichtdeutsche Staatsangehörige.

Bildung, Un-Bildung und Dummheit

Wir Menschen sind lernfähig. Auch viele Tiere, doch übertreffen wir in Hinblick auf Umfang erwerbbaren Wissens und Könnens alle Tierarten, und zwar gewaltig. Beim Wissenserwerb lernen wir zugleich, kritisch zu denken und zu urteilen. Soziale und kulturelle Kompetenzen entwickeln sich dabei, und mit ihnen die eigene Persönlichkeit. Ohne uns Lernwesen, ohne menschlichen Intellekt, sähe die Welt ganz anders aus. Felder und Forste sind da, wo einst Wälder waren, Häuser, Straßen, Siedlungen und riesige Städte. Auch die Verkahlung unserer Welt und deren Verwüstung sind Ergebnis menschlichen Intellekts. Und all das geschah und geschieht für uns selbst, für den Menschen und sein Wohlergehen. Zumindest zunächst.

Bildung ist Sache des Elternhauses, der Familie und des ganzen sozialen Umfeldes. Dazu, heute wie selbstverständlich, Aufgabe von Schulen und beruflichen Bildungseinrichtungen, inklusive Universitäten. Und was passiert, wenn man sie meidet, sich ihnen verschließt? Früher war das der Weg ins Abseits, oft genug in die Katastrophe. Und heute, hier bei uns in Deutschland?

Mangel an Bildung, ja, kahle Unwissenheit, ist für unsereinen keine Schande mehr, eher eine Lebenseinstellung. So auch werden uns Bürgern Menschen vorgesetzt, die oft weniger in ihre Bildung investiert haben als jene, die sie regieren. Allzumal in der Politik. Die Lauten übertönen die Klugen, die Gläubigen die Skeptiker, die Kriegslüsternen die Friedfertigen. Es kommt kaum noch auf Bücher an, die man besitzt und in denen man gelesen hat, vielmehr auf die Fertigkeit, Wissen aus dem Handy herauszuholen. Die Künstliche Intelligenz, vor ein paar Jahren noch Sache von Spezialisten, ist heute für jeden zu erschließen. Wozu dann noch Wissen? So auch wurde das wachsende Unwissen der Zensurenskala angepasst, indem sie über die Fünf hinaus bis zur Sechs reicht. Demnächst womöglich bis zur Sieben.

Der Dumme und selbst der Dümmste mögen dem Wissenden allein schon durch den Umgang mit dem Handy überlegen sein. Gleichermaßen KI-gesteuerte Apparaturen den geschicktesten und fleißigsten Handwerkern und Künstlern. Mittlerweile gibt es Roboter, „Humanoide“ genannt, die durch Mimik, Gestik und Verhalten erstaunlich menschlich wirken. So auch ist schon heute Information kaum noch von Desinformation zu unterscheiden, das Wort der Herrschenden nicht von dem der andersdenkenden Bürger. Wie erst wird das in fünf Jahren aussehen, in zehn oder in zwanzig? Nicht zu denken an die nächsten hundert Jahre! Spielen dann Menschen überhaupt noch eine Rolle? Dazu hatte es jüngst geheißen: "Es geht auch ohne uns"!


Gerald Wolf, geb. 1943, Studium der Biologie und der Medizin in Leipzig, emeritierter Magdeburger Universitätsprofessor, Hirnforscher und Institutsdirektor. Neben zahlreichen Fachpublikationen und Fach- und Sachbüchern stammen von ihm drei Wissenschaftsromane. In seinen Vorträgen und Publikationen widmet sich Wolf der Natur des Menschen.


LESERBRIEFE
(ausgewählt und z.T. leicht gekürzt von Dikigoros)

dr. gerhard giesemann (07.06.2026)
Zur Flutung Europas mit Moslems: [...] Alle sind gleichermaßen scharf auf die Söhne Allahs, allen voran die Deutschen. Die haben sogar eine pole position beim Moslem. Aus Gründen. Was GB und FR fuchst wie der Scheitan. Der Moslem grinst und sagt: „Wir werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns.“ – plus GB, FR und sonstwas [...]
Der weltgrößte Markt, der muslimisch-indische, lockt all die rohstoffarmen Exportländer Europas – und der Markt ist riesig, wächst ständig und hat jede Menge Rohstoffe zum Bezahlen der europäischen Exportprodukte [...] Größer als China, wobei die Chinesen Export-Konkurrenten für Europa sind, die Moslems nicht.
Ich versuche das seit langem zu verkaufen wie sauer Bier, bisher mit mäßigem Erfolg. Bei Wirtschaftsjournos sollte das verfangen [...] So schaut's aus. Vllt. bin ich auch bloß meschugge. Ist mir inzwischen auch schon egal.

Wolfgang Richter (07.06.2026)
[...] Auch KI funktioniert nicht ohne Wissen. Weiß ich nicht die richtigen Fragen zu stellen [...] kann mir selbst eine KI nur unbrauchbaren Blödsinn [...] liefern. Dazu kommt, daß KI entsprechend der ideologischen Vorgaben von politischem Zeitgeistdenken, „Klimaideologie“, Schulmedizin nach WHO-Vorgaben etc. programmiert ist. Entsprechend spuckt es seine „Erkenntnisse“ aus, die derart hinnehmen muß, wer kein Wissen zu Alternativen hat und entsprechend abfragen kann. Entsprechend bleibt die „Ungebildete Blase“ in derselben feststecken [...]
Wie heißt es so schön: „Würden Wahlen etwas ändern, wären sie längst verboten“. Uns rettet nur der totale Kollaps [...], ein völliger Zusammenbruch des Systems, ggf. durch Zusammenbruch der EU infolge der angestrebten weiteren Aufblähung incl. Ukraine [...], wirtschaftlicher Kollaps infolge der erforderlichen finanziellen Aufwendungen, die nicht zu stemmen sind. Das wird sich vermutlich aber noch hinziehen. Der „kurze“ Weg könnte über einen Krieg mit dem erkannten Feind im Osten beschritten werden [...]


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