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*Eine Entschuldigung vorab: Dikigoros hat kein besseres Titelbild gefunden, inbesondere keines ohne Kopfbedeckung oder Brille. Die meisten anderen Bilder - Fotos ebenso wie Gemälde - hält er, gelinde gesagt, für "bearbeitet"; das gilt vor allem für das weit verbreitete "Krönungsbild". Wer Muße hat, möge im www suchen und dann Vergleiche anstellen. Welches ist "echt"? Das mit dem überdimensionalen "Davidsstern" auf dem linken Oberarm seines Krönungsmantels? Oder das mit dem "weißen Fleck" dortselbst? Oder welches sonst?
**Sprecht das doch bitte nicht "Mahänndra" o.ä. aus. Das "e" in der Wortmitte ist lang und geschlossen, und das Endungs-a ist ganz kurz und kann in moderner Aussprache auch weg gelassen werden. Die übrigen Namensbestandteile - die Dikigoros hier weg läßt - sind eher Titel. "Shahdew[a]" bedeutet wörtlich "König-Gott", also nach westlichem Sprachgebrauch "Gottkönig". Man muß allerdings im Hinterkopf behalten, daß in Indien, incl. Nepāl, ähnlich wie in Griechenland, die Namen der alten Götter noch heute als Vornamen - für Jungen und Mädchen gleichermaßen - in Gebrauch sind. ***Auch die Hauptstadt Nepālas wollt Ihr bitte nicht so falsch schreiben und aussprechen, wie das im Ausland leider eingerissen ist, etwa "Kat[t]man[n]du" o.ä. Beide "a" sind lang und nicht nasaliert - das ist vielmehr die letzte Silbe, die so ähnlich wie ein langes, offenes deutsches "o" gesprochen wird. Das "t" ist deutlich aspiriert - stärker als im Deutschen -, und das "d" spricht sich wie ein kastilianisches "r" (also so ähnlich wie ein "gerolltes r" in manchen Gegenden Bayerns :-).
4Nixon verglich den kühlen Empfang, den man ihm in Indien bereitete, mit dem begeisterten Empfang, der dort einst seinem Vor-Vorgänger
Eisenhower
bereitet worden war, und mit der demonstrativen Gastfreundlichkeit, die er kurz zuvor in Pākistān erfahren hatte. Anschließend bezeichnete er Indirā als "Hexe". Nixon spürte, daß die "hochmütige Brahmanin" ihn, der das Pech hatte, von seinen Vorfahren die Fysiognomie eines irischen Kneipenwirts geerbt zu haben, als rassisch minderwertig ansah und verachtete; in Indien hätte er es nach ihrer Auffassung allenfalls zum Latrinenreiniger gebracht.
5Was Indirā zu diesem wohl schwersten außenpolitischen Fehler ihrer Karriere veranlaßte, ist bis heute unklar. Eine These lautet, die demonstrative Verlegung der US-Pazifik-Flotte in den Golf von Bengalen habe sie eingeschüchtert; aber das ist unwahrscheinlich, denn sie wußte bestimmt, daß dies nur ein Bluff Nixons war: Sein gesamtes Kabinett - allen voran der Secretary of State/Außenminister -, fast der gesamte US-Kongreß und nach Meinungsumfragen fast die gesamte US-Bevölkerung standen auf Seiten Bhāratas; selbst Nixon war nicht so dumm, unter diesen Umständen einen Krieg vom Zaun zu brechen, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Impeachment-Verfahren und seiner Absetzung geführt hätte. Eine andere These lautet, Indirā habe gefürchtet, die Zerlegung Pakistānas in seine Bestandteile hätte auch zu einem Zerfall Bhāratas führen können. Aber in diesem Punkt war sie eigentlich viel weniger ängstlich als noch ihr Vater - wie ja auch ihre Neuordnung der Bundesstaaten nach ethnischen und sprachlichen Grenzen zeigte; bei einer Wiedervereinigung Indiens in den Grenzen vor 1947 hätte man neue, größere Bundesstaaten mit erweiterter Autonomie schaffen können, wie ein Gesamt-Bengalen, ein Gesamt-Kashmīr und einen Gesamt-Panjāb. (Und möglicherweise hätten sich dann auch die buddhistischen Teil-Staaten Nepāl und Ceylon - die sich erst 1972 politisch völlig neu orientieren sollten - einem Gesamt-Indien angeschlossen.) Für diese These spricht ihr späteres Verhalten im Falle "Khalistān; aber wenn es 1971 zu einer Wiedervereinigung Indiens gekommen wäre, hätten die Sikhs nie auf die Idee kommen können, einen eigenen, zwischen Bhārat und Pākistān gelegenen Staat zu gründen. Man könnte also sagen, daß Indirā mit dem Versäumnis, Pākistān 1971 zu beseitigen, ihr eigenes Todesurteil schrieb. 6Die westlichen Medien haben Indirās wachsende Unbeliebtheit überwiegend der Ausrufung des Notstands im Juni 1975 und der damit verbundene Einschränkung "demokratischer Grundrechte", vor allem der "Pressefreiheit" zugeschrieben. Tatsächlich war das letztere nicht die Ursache, sondern vielmehr die Folge des ersteren, als Indirā sich nicht mehr anders zu helfen wußte. Dikigoros hat damals in Indien mit vielen Menschen aller Bevölkerungsschichten gesprochen. An erster Stelle der Kritik stand bei allen Gegnern Indirās das Sterilisations-Programm. (Dagegen interessierten "Demokratie" und "Pressefreiheit" allenfalls am Rande.) Im Westen - wo gerade erst die Abtreibung legalisiert worden war und "Familienplanung" groß in Mode kam - verstand man das nicht, da man eine Bremsung des indischen Bevölkerungswachstums für gut und wünschenswert hielt. (Dikigoros erinnert sich noch gut, mit welcher Begeisterung deutsche Medien über das Programm berichteten, das sie fälschlich als durchweg "freiwillig" darstellten. Aber die Freiwilligen gehörten überwiegend der christlichen Minderheit an, während sie unter Hindus und Muslimen eher dünn gesät waren.) Außerdem schien dieses Programm - das erst nach dem zweiten Kind ansetzte - aus westlicher Sicht harmlos, vor allem im Vergleich zur VR China, wo die Ein-Kind-Familie propagiert und u.a. durch Zwangsabtreibungen forciert wurde. 8Shabeg Singh war in jungen Jahren ein großer Sportler (indischer Meister im 100-m-Lauf - auch Landesrekordhalter -, Weitsprung und Hockey) und später ein hoch dekorierter Kriegsheld. Er hatte in Barmā gegen die Japaner, in Malaya und Asām gegen die Chinesen und in Kashmīr gegen die Pākistānī gekämpft. 1971 war er maßgeblich am siegreichen Feldzug in Ost-Pākistān beteiligt, wo er zuvor heimlich eine Armee aus unzufriedenen Ost-Bengalen aufgebaut hatte, die auf Seiten Bhāratas kämpfte. Seine Entlassung im Jahre 1976 durch Indirā - mit äußerst fadenscheiniger Begründung - hatte ihr Verhältnis zum Offizierskorps im allgemeinen und zu den Sikhs im besonderen stark belastet.
9Indirā bekannte sich zum "Adi Dharm", einer Glaubensrichtung, die Dikigoros mit aller gebotenen Vorsicht als "Anti-Hinduïsmus" bezeichnen würde, die jedenfalls alle seine wesentlichen Grundsätze über Bord geworfen hat. In "besseren" Hindu-Tempeln hatte Indirā Zutrittsverbot. 10Indirā befürchtete, daß nach einer Unabhängigkeit "Khalistānas" auch andere Randprovinzen "wegbrechen" könnten und daß dies der Anfang vom Ende Bhāratas wäre, was in Anbetracht des Sonderfalls "Sikhs" - zumal nach der Abtrennung Hariyānās anno 1966 - nicht zwingend erscheint. Doch selbst wenn man ihre Auffassung teilte - und ferner glaubte, daß dies eine politische Katastrofe wäre -, so gab es doch keinen stichhaltigen Grund für eine gewaltsame "Eroberung" des Goldenen Tempels. Indirā meinte, daß diese Entscheidung nicht auf sie persönlich zurück fallen würde, da der Angriffsbefehl formell von Präsident Zail Sinh - einem Sikh - kam und auch der Angriff von Sikh-Offizieren geführt wurde - auch in diesem Punkt irrte sie. Mit etwas Geduld hätte sie den Tempel abriegeln und die "Rebellen" binnen einiger Wochen oder Monate aushungern lassen können; statt dessen schickte sie die Armee mit Panzern ins Gefecht, bei dem wahllos alles nieder gemacht wurde, was man antraf. Als Zeitpunkt wählte sie ausgerechnet die Nacht vom Heiligabend auf den Weihnachtstag der Sikhs, als der Tempelbezirk mit harmlosen Pilgern aus aller Welt überfüllt war. (Schätzungen schwanken zwischen ca. 500 und ca. 5.000 zivilen Opfern.) Die Behauptung, der Harmandar Sahib - der wichtigste Tempel des Bezirks - sei bei dieser Gelegenheit zerstört worden, ist allerdings unzutreffend. Stark beschädigt wurde "nur" der - zweitwichtigste - Akal Tākhat Sahib. Hauptvorwurf der Sikhs war auch nicht der Beschuß des A.T.S. - wo die Aufständischen schließlich selber Maschinengewehr-Nester eingerichtet hatten -, sondern die Entweihung des H.S. durch Soldaten, die ihn in Stiefeln betraten, und die "versehentliche" Vernichtung der heiligen Schriften.
11Die Angaben zur Zahl der Todesopfer schwanken extrem - zwischen "300" und "50.000". Auch die Zahl der vertriebenen oder in den Panjāb geflüchteten Sikhs ist nicht mehr genau zu ermitteln; die jüngsten Schätzungen von ca. 1,25 Millionen dürften zu hoch gegriffen sein; sie war jedoch zumindest sechsstellig. Weit weniger spektakulär - und von den westlichen Medien tot geschwiegen - verlief im selben Jahr in Pākistān die Ausschaltung der Ahmadiyya, einer Glaubensgemeinschaft, die - trotz erheblich jüngeren Alters - viel mit den Sikhs gemeinsam hatte: Ihre Angehörigen wurden aus dem Staatsdienst entlassen und mußten fortan einen Stempel im Ausweis tragen, der sie als Nicht-Muslime kennzeichnete, ihre Gotteshäuser wurden zerstört und ihre Geistlichen ermordet; ihr Oberhaupt entging dem nur durch Flucht ins britische Exil. All dies geschah ganz "legal", d.h. nach Verabschiedung entsprechender Gesetze; ein Widerstand fand nicht statt. weiter zu Tendzin Gyātśo zurück zu Politiker des 20. Jahrhunderts heim zu Von der Wiege bis zur Bahre |