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*Wer nach einem realen Vorbild für "das kleine gallische Dorf" in Astérix sucht, dem empfiehlt Dikigoros einen Besuch in Guingamp. **Der Wandel von Uderzos Helden-Bild ist psychologisch hoch interessant: Bis einschließlich Oumpah-pah sind seine Helden überwiegend große, breitschultrige Modell-Athleten, gegen die sich selbst der 1953 von Hansrudi Wäscher geschaffene germanische "Sigurd" wie ein schmales Handtuch ausnimmt. Bei "Asterix" tauchen diese Figuren zwar auch noch auf, jedoch in der Regel als Bösewichter, bestenfalls als Lachnummern, wie die Goten, die Normannen, die gedopten griechischen Sportler bei den Olympischen Spielen oder übereifrige römische Legionäre, die noch keine Erfahrung mit den neuen Helden haben, die nun klein und dickbäuchig sind, also die Antithese des herkömmlichen Ideals - der Satz "mens sana in corpore sano" wird bewußt lächerlich gemacht.
Eine Abmilderung der Handlungsweise geht jedoch mit diesem körperlichen Wandel nicht einher - im Gegenteil: Die neuen Helden sind brutaler und primitiver als alles, was Uderzo oder andere Komiker vor ihm je geschaffen haben, und das wird uneingeschränkt bejaht, geradezu verherrlicht. Es fällt Dikigoros schwer, den Erfolg dieses neuen "Helden"-Bildes nachzuvollziehen; wer eine Erklärung hat, kann ihm ja mal mailen.
Der Treppenwitz dieser Geschichte ist, daß Uderzo selber in seinen Memoiren 2008 den Geistern, die er rief, lautstark abgeschworen und eine französische Jugend beklagt hat, die körperlich verweichlicht, aber dafür in ihrem Verhalten umso primitiver und brutaler geworden sei. (Das
***Dikigoros erinnert sich noch, wie er als junger Gymnasiast jede große Pause in der Bibliothek des - nur 50 m von seiner Schule entfernten -
Institut français
mit Comics verbrachte. Das nette alte Fräulein A. (so kam sie ihm jedenfalls damals vor - dabei zählte sie kaum über 40 Lenze :-) hatte ihm immer schon ein gutes Wörterbuch und den Band, an dem er gerade las, auf seinen Stammplatz gelegt, denn die Zeit war knapp, und er wollte doch besser Französisch lernen als die Romanistik-Professoren an der Universität B., von denen Madame R., die stellvertretende Institutsleiterin, stets nur verächtlich als "Idioten" und "Nichtskönnern" sprach, die sich zwar mit der Geschichte der französischen Grammatik und mit dem
Rolandslied
auskannten, aber nicht in der Lage waren, eine moderne französische Zeitung zu lesen und sich auch nie bei den allwöchentlichen Kinoabenden im
(Das mag Euch lächerlich erscheinen, liebe jüngere Leser, die Ihr die Geschichte Bonns nur noch aus dem Internet kennt, denn da findet Ihr nichts über jenen furchtbaren 8. Juli 1970, den J. mit erlebte und an den sich Dikigoros noch genau erinnert: Da war Bonn im wahrsten Sinne des Wortes der Himmel auf den Kopf gefallen; nach einem mehrstündigen Wolkenbruch stand die ganze Stadt unter Wasser; und obwohl das Institut français - anders als seine Nachbargebäude, die Universitäts-Bibliothek und die Lese - relativ weit vom Rheinufer entfernt stand, direkt an der Adenauer-Allee, war auch der Kinokeller voll gelaufen, und J. mußte helfen, ihn wieder herzurichten.) ****Nicht nur in Deutschland. Dikigoros hat die englische Übersetzung von Bd. 8 sogar in Indien entdeckt, wo man sich über die Karikaturen der verhaßten Briten köstlich amüsiert.
*****Der Arzt hatte Goscinny bei einer Routineuntersuchung zu lange auf dem Ergometer strampeln lassen, was das verfettete Herz des Nikotinisten und Alkoholikers nicht mehr aushielt.
******Daß Friedenreich Holländer Jude ist, wird er nicht ernsthaft bestreiten wollen. Für einen Juden ist es jedoch so ziemlich die schlimmste Beleidigung, als "Chasar" (d.h. Angehöriger eines Turkvolks) bezeichnet zu werden. Die offizielle jüdische Lesart ist, daß es überhaupt keine chasarischen Juden gibt; vielmehr seien alle Juden reinrassige Semiten. Das andere - u.a. von Arthur Koestler vertretene - Extrem besagt, daß alle "Aschkenasim" (Ostjuden) von eben jenen Chasaren abstammen, die irgendwann im Mittelalter zum jüdischen Glauben konvertiert seien, so wie andere Turkvölker zum Islam konvertierten. Gentechnische Untersuchungen scheinen die erstere Auffassung zu bestätigen; allerdings würde Dikigoros nicht ausschließen, daß diese von interessierten jüdischen Kreisen manipuliert worden sind. Die Wahrheit dürfte sein, daß es unter den Ostjuden auch - aber sicher nicht ausschließlich - konvertierte Chasaren gab. *******An der Aussage "Moi aussi je suis un Charlie [Auch ich bin ein Charlie]" ist vordergründig so viel richtig, daß Pilote 1986 mit dem Magazin Charlie Mensuel (das allerdings nichts mit Charlie Hebdo zu tun hatte) fusionierte zu Pilote & Charlie, später Pilote Mensuel genannt; freilich gab es da längst keine Asterix-Geschichten mehr - Dargaud hatte Pilote nach dem Weggang Uderzos und Goscinnys 1974 in ein "Erwachsenen-Magazin" umgewandelt.
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