| Endlich offiziell, wir sind ... |
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| Etappe14 | Endlich offiziell, wir sind in der Tükei |
Okt., Nov. 2006
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| Vor allem versprachen wir uns von der Türkei eines. Ähnlich, wie in Kroatien sollte sich hier ein schöneres Seegebiet dem anderen anreihen. Da stand im Törnführer ein Superlativ nach dem anderen und auch der Meltemi sollte längst nicht mehr die Power haben, wie wir ihn aus den Kykladen kannten. Auch konnte man sich nunmehr die Tagesdistanzen aussuchen. In den Kykladen lagen die Ziele selten unter 30 oder 40 sm entfernt, da musste man einfach durch ... . Hier an der türkischen Küste lag das Problem eher darin, dass man die eine oder andere Superbucht schon mal auszulassen hatte, wollte man denn überhaupt irgendwie Strecke machen. Unser grober Törnplan sah vor, noch bis Ende November oder gar in den Dezember hinein den Hisarönü-Golf und den Golf von Fethiye unsicher zu machen. Gerade letzterer war gespickt von nautischen Leckerbissen und Schwarm auch solcher Fahrtensegler, die schon in der Caribic oder gar im Pazifik unterwegs waren. | |||
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Für die kurze Fahrt von Simi nach Datca reichte es, erst spät
abzulegen. Bei Dämmerung erreichten wir den hübschen Hafen
der Stadt mit seiner netten Promenade am Bootsanleger. Am folgenden
Tag klarierten wir problemlos ein. Jetzt hiess es, sich an neues Geld
(türkische Lira) zu gewöhnen. Ansonsten mutet wenigsten in
dieser Gegend alles recht westlich an. So schön die Küste
ist, natürlich ist alles auf Touristen eingestellt und spätestens
in Marmaris würden wir erkennen, dass nach europäischen Standard
kaum was fehlt. Auch Schweinefleisch gibt es ... . Von Datca ging es
weiter, tief hinein in den Golf von Orhaniye und ja, der erste Vorgeschmack
auf die Türkei entsprach ganz den Berichten zu diesem Seegebiet.
Die Bucht von Bencic war jedenfalls ein echter Volltreffer! Wolfgang als Fährmann für Paxos - Landgang muss sein! |
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| bizarre Landmarke, als Wegweiser (bitte nur bei Tage) |
wie auf einem Weiher irgendwo im deutschen
Wald
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| Ganz in der Nähe ist eine sehr hübsche, kleine Marina - Marti Marina. Hier haben wir Aura einen Tag liegen gelassen, um mit dem kostenlosen Bus über den Landweg die Fahrt nach Marmaris abzukürzen. Marmaris ist unter Fahrtenseglern eine bekannte Adresse und gilt als guter Platz zum überwintern. Unter vielen anderen gibt es dort die Yacht Marina - mit Abstand die billigste. Bei Regenwetter konnte man nichts besseres machen, als Landratte zu spielen und eben auszukundschaften, was Marmaris so bietet. Zurück sind wir getrampt, was wir immer wieder gerne machen. Man kommt so unter die Leute und spart Geld. Egal wo wir waren, hat das Trampen immer sehr gut geklappt. Der erste Eindruck von Marmaris war nicht schlecht. Besagte Yacht-Marina liegt wohl ein ganzes Stück von Marmaris Stadt entfernt, wegen des wirklich sehr günstigen Preises kam sie aber doch in den Kreis der favorisierten Marinas für den Winter. Der aber war ja noch weit entfernt, so dachten wir jedenfalls. | |||
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Vom Orhaniye-Golf ging es dann weiter mit Zwischenstation in einer wieder sehr hübschen Bucht bis nach Bozburun. Das Wetter wurde langsam schon etwas durchwachsen, insgesamt aber war es immer noch richtig prima. |
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Wir fühlten uns jedenfalls richtig wohl in der
Türkei.
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| In Bozburun treffen wir ein deutsches Seglerpaar, die mit ihren 2 (in Worten zwei) Hunden auf einem kaum 8 Meter langen Segelboot von Bayern über die Donau ins Schwarze Meer geschippert sind. Nun waren sie auf den Weg nach Kreta. Kleine Welt, denn beide trafen wir nochmals in Marmaris. Noch kleinere Welt, denn ferner trafen wir Jan & Toni, ein englisches Segelpaar, mit denen wir gemeinsam in Lefkas überwinterten. War das schon ein Hinweis auf den nächsten Winter? Abwarten. | |||
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| Direkt am Hafenbecken die Moschee. |
Wir lieben längsseits in hübschen
Häfen zu liegen
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| Bozburun ist eine Hochburg des tradionellen Gullet-Baus. |
Kleine Welt - Jan & Toni (mit Familie),
Freunde aus Lefkas
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| Die nächste Station von Bozburun war die Bucht Serce Liman. Wir sind ca. 30 sm südwestlich vom grossen Natruhafen Marmaris entfernt. Im Süden steht einem kleinen Kontinent gleich die Insel Rodos. Noch weiter südlich steht noch etwas viel grösseres über dem östlichen Mittelmeer. Nur das wusste an diesem Tag noch keiner so richtig. Während wir noch keine Ahnung hatten, was uns schon am nächsten Tag erreichen sollte, hatten wir noch einen Heidenspass mit Paxos. Wie mit einem Hund kann man mit der nämlich spazieren gehen. Liegt Aura vor Anker, so ist es mittlerweile ganz üblich geworden, dass Paxos mit uns gemeinsam ins Beiboot hüpft und dann auch ausgiebige Spaziergänge mit uns unternimmt. | |||
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Am Dienstag, den 17. Oktober verliessen wir um 10:00 die Bucht Serce Liman. Das Wetter schien sich zu verschlechtern - es nieselte ein bisschen - und wir haderten noch. Die Bucht schien eine der solchen zu sein, die gegen alle Winde gut geschützt ist, ausserdem lagen wir vor einer Muringboje, was wenigstens scheinbar weitere Sicherheit vermuten lässt. Wir überlegten das Für und Wider: Schlechtes Wetter zog auf und die Bucht schien sicher. Dem entgegen stand, dass wenn das schlechte Wetter andauern würde, wir möglicherweise länger als uns lieb sei hier bleiben müssten. | ||
| Naja - und an diesem Morgen war der Himmel nur verhangen, windig war es ja noch nicht. Also los - fahren wir nach Marmaris, da könnte man sich wenigstens die Beine vertreten und in einem Café rumlungern, wenn ´s denn dauerhaft regnet. Ja, manchmal hat man als Fahrtensegler auch richtig Lust, unter die Leute zu kommen. Marmaris ist eine belebte Stadt mit allem Tamm-Tamm und PiPaPo. Irgendwo im Süden musste es aber schon pfeifen... - der Schwell war schon recht hoch. Und er kam dann auch zunehmend, der Wind. Entlang der Küste schipperten wir dahin und irgendwie fuhren wir instinktiv nicht den direkten Kurs entlang dieser Küste, sondern versuchten zunächst mal soviel Seeraum, wie möglich zu machen. Höhe machen heisst das auf Seemännisch und das macht immer dann Sinn, wenn die Windrichtung gegen die Küste gerichtet ist. Der Wind nahm zu. Bald waren es 4 bis 5 Beaufort. Diesig verhangen war der Himmel und leichter Regen fiel. Dass wir Höhe gelaufen sind war gut. Nicht der Wind, sondern der stärker gewordene Seegang war mal wieder das Problem. Der nämlich begann Aura in die Nähe der Steilküste zu drücken. Gerade recht und nun mit vollen Segeln konnten wir das Kap Kardira etwa 6 sm südlich vor dem Naturhafen von Marmaris runden, um dann mit dem Wind direkt dorthin abzufallen. Auf dieser Fahrt winkte noch eine bekannte Bucht mit ihrem vermeintlichen Schutz. Dass keine 5 Stunden später dort (offen nach dem von dort kommenden Südwind und -Schwell) Yachten in Seenot geraten würden, ahnte kaum einer zu diesem Zeitpunkt. Hohe achterliche Wellen schuppsten Aura dann nun endlich in die Marmarisbucht. Kaum drinnen, schien der Spuk vorbei, denn der riesige Hafen von Marmaris gleich einem See, in etwa von der Grösse des Ammersees. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, so dachten wir, als wir wieder auf stillem Wasser an das südwestliche Ende des grossen Naturhafen unter Maschine tuckerten. Dort, ganz in der Nähe der Marmaris Yacht-Marina versprach der Törnführer seichtes Wasser mit gut haltenden Ankergrund. Mit anderen Schiffen lagen wir dort um 15:30 Uhr vor Anker. Easy schien uns es hier und wir würden wohl eine ganze Weile hier liegen bleiben und es so halten, wie der Fahrtensegler es gerne macht. Die Annehmlichkeiten der Marina in der Nähe nutzen, die man schnell mit dem Beiboot erreichen kann, ohne eben die Gebühren zu entrichten, welche fällig sind, wenn man in der Marina liegt. Gegen 16:00 Uhr frischte der Wind auf. Kein Grund zur Panik... . Um 17:00 hatten wir Starkwind. Phhh, wer 10 Tage bei Sturm in Manganari überstanden hat, ist so leicht nicht zu beeindrucken. Um 17:30 zeigte der Windmesser dann schon mal länger über 30 Knoten Wind an. Na und? Um 18:00 fing der Anker an zu slippen. Was soll ´s, das kennt man ja auch. Dann fahren wir halt noch einmal unser Lieblingsmanöver (wenn der Anker nicht hält, egal wie gut man ihn einfährt, dann ist das total nervig). Das klappte ja auch recht gut. Warum aber, warum nur kamen denn aus Marmaris Stadt eine Güllet nach der anderen hierher in den letzten Zipfel der Bucht? Da stimmt doch was nicht. Immerhin, wenn die Reviererfahrenen ihren angestammten Platz direkt vor dem Ort verliessen und hierher kamen, dann waren wir offensichtlich nicht am falschen Platz. Es wurde dunkel, der Wind nahm zu. Rumms! Knack! In Böen schnellte der Windmesser auf über 50 Knoten hoch. Aura beugte sich zur Seite. Dann wieder Stille und wieder Ruuummmmss und wieder voll auf die Backe mit Aura. Aber der Anker hielt. Also: Ankerwache halten und eben mal wieder abwarten, bis das Unwetter vorbei ist. Ruummms! Der Zeiger vom Windmesser schnellt auf über 60 Knoten hoch und nochmal Ruummmms! Es ist inzwischen stockdunkel, doch da hat sich zweifelsfrei ein am Ufer mit Landleinen vertautes Ausflugsboot losgerissen - und niemand ist dort an Bord! Es treibt genau auf ein nahe bei uns ankerndes Segelschiff zu! Wolfgang holt unter Deck das Signalhorn, denn eine Kollision scheint unvermeidbar. Tröööööt! Die Jungs auf der Segelyacht scheinen zu schlafen und tatsächlich kommt erst einer an Deck, als es zu spät ist. Die zwei Schiffe kratzen einander an den Rümpfen. Irgendwie kann der Skipper vom Segelboot sich aber verholen und es scheint weiter nicht's passiert zu sein. Und dann endlich, plötzlich nimmt der Wind ab. Es dauert nur ein paar Minuten und wir haben komplette Windstille. Bis dahin sind einige Gewitterfronten über uns hinweggefegt mit Blitz, Donner und Hagelschlag versteht sich. Die letzte war die heftigste, aber nun scheint ja alles Gott sei Dank vorbei zu sein. Aber wieso so plötzlich, als ob nichts gewesen wäre? Das kann doch nicht sein!? Ist es auch nicht und gut war dieses Misstrauen. Eben genau für die stillen Minuten, wo der Kern des Gewitters genau über uns stand, war es Windstill. Auch das ist nicht genau richtig, tatsächlich merkt man nur nicht die tatsächliche und auch ziemlich heftige Luftbewegung, wenn der Kern gross und das Gewitter sehr ausgeprägt ist. Die Luft rast nämlich senkrecht hoch, um sich dann mit brachialer Gewalt am Rande dieser Säule wieder nach unten zu ergiessen. Es trat also genau das ein, was irgendwo im Hinterstübchen des Hirns schon erahnt wurde. Der Wind hat komplett gedreht und den Ort, den die Gullets seiner Sicherheit wegen schon Stunden vorher anliefen plötzlich zur Hölle gemacht. Das Problem für uns war aber zunächst nicht der nun plötzlich vorhandene Seeraum über die ganze Breite der Marmarisbucht, sondern vielmehr, dass jenes noch eben an uns vorbeigetriebene Ausflugsboot nun direkt auf uns und Aura zukam. Scheisse, wir waren in der Klemme. Vor uns dieses Boot, kaum 50 Meter hinter uns das Ufer, welches uns mit seinem Baumbestand vor wenigen Minuten noch so gegen das heftige Wetter einigermassen schützte. Iiiilllllllooooonnnnnnkkkkkkkaaaaaa! Klllaaaarrrr machen zum Aaannnkkkeeerrr aufholen! Also die gleiche Scheisse mit Böen über 60 Knoten Wind, ein Boot auf uns zutreibend und dann auch wieder Blitz, Donner und Hagel. Es schüttete so, dass Ilonka kaum zu sehen war, wie sie den Anker hochholte, geschweige denn dass man hätte hören können, wie sie nach hinten brüllte, dass die Ankerwinde nicht funktionierte. Dass sie also 50 Meter Kette samt dem 25Kilo CQR Anker per Hand aufholte, realsierte Wolfgang erst, als er sich getraute, Aura unter Autopilot die weitere Flucht vor dem auf Kollision befindlichen Ausflugsdampfer zu unternehmen. Um den Anker an Deck zu bekommen, bedurfte es nämlich noch einen heftigen Ruck, den Ilonka nunmehr erschöpft nicht mehr hinkriegte. Eben wegen der Enge und dann diesen beschissen widrigen Verhältnissen war diese Nacht eigentlich die erste wirklich leicht panische Situation. Wir hatten in diesen Schreckens-Sekunden immer den Ausflugsdampfer vor Augen. Der nämlich hätte sich gut mit unserer Ankerkette verfangen können und wer weiss, ob wir dann noch vom nahen Ufer weggekommen wären. Keine 10 Meter hätten gereicht und wir wären im seichten Wasser auf Grund gelaufen und dann wäre nix mehr, mit manövrieren. Scheiß drauf! Und überhaupt und sowieso - jetzt wo wir frei waren mit dem Anker steuerten wir direkt die nahe Marina an. Per Funk noch schnell angemeldet buchsierten die uns gleich in den bei den immer noch anhaltenen Böen sichersten Parkplatz. In die Kranbox, in die es günstigerweise mit Bug voraus direkt gegen den stürmischen Wind ging. Auch in der Marina schlief keiner - Masten klapperten und stossen gegeneinander. Geschafft, komplett durchnässt und fertig mit der Welt lag das Schiff sicher vertaut in der Kranbox und wir genehmigten uns ein paar Bierchen, um das Adrenalin im Blut wieder auf Normalstand runter zu bekommen. Am 18. Oktober, morgens um 7:30 klopfte das Marinapersonal ans Schiff. Aufwachen! Wir mussten die Kranbox räumen und wurden an einen anderen Platz verlegt. Die Schnauze voll haben wir uns ohne grosse Absprache direkt ins Büro begeben, um eine insgesamt harte Segelsaison für dieses Jahr vorzeitig zu beenden. Viel früher, als geplant, ja sogar um einiges früher, als in Lefkas haben wir für den Winter eingecheckt. Der Sturm der vergangenen Nacht war ziemlich krass. 14 vorwiegend gecharterte Yachten haben ihn nicht überlebt. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Gerade als Segler merkt man es deutlich. Das Wetter verändert sich Jahr für Jahr. Sowas hat man hier jedenfalls noch nicht erlebt! | |||
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| Der weite Naturhafen von Marmaris - im Hintergrund die Stadt |
Eine Teilansicht der gigantischen Marmaris
Yacht-Marina
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Aura liegt jetzt wohlbehütet und sicher an Ponton Charly, Ecke Delta im Old Harbour der gigantischen Marmaris Yacht Marina. Wenn dann solche Schrecken, wie in besagter Nacht vorbei sind und man Rückblick hält, zu so einer Reise, wie die unsere, dann ist ´s schon ein ganz besonderes Leben, was wir da führen. Ein wenig stolz darf man da schon sein - schliesslich hat Aura seit unserer Abreise in Grado nicht eine wirkliche Macke abbekommen. Und auch dankbar kann man sein, bisher liessen sich alle Probleme lösen. So sagte uns vor unserer Reise schon einer, der nun schon auf seiner zweiten Weltreise unterwegs ist... . |
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