Wir Menschen sind doch grandiose Selbstbetrüger. Wir schwafeln von Freiheit und Gleichheit, von Vernunft und Verantwortung, aber gleichzeitig erschaffen wir selbst die Instrumente, um uns genau das zu nehmen. Nein, oft tun wir das nicht bewusst, nicht wir Einzelnen, oft ist es dieser Moloch, dieses Ungeheuer mit Milliarden von Köpfen: die "Gesellschaft", die kollektiv zusammenarbeitende Menschheit als ganzes. Hm, es gibt und gab zwar immer wieder Vorreiter, Gruppen und Einzelne, aber wir müssen uns auch fragen: Was haben wir dagegen getan?
Was haben wir getan gegen Recht und Gesetze? "Was? Dagegen? Wieso dagegen? Wir brauchen das alles doch!" Nein, völliger Humbug! Was wir brauchen, sind Freiheit und die Vernunft, damit umzugehen. Rechte sind nur Beschränkungen, von denen man uns vorspiegelt, sie seien kodifizierte Gerechtigkeit. In Wirklichkeit sind sie Zaumzeug, an das wir mühevoll gewöhnt wurden, bis es uns natürlich vorkam. Statt daß uns unsere Schulen zur Freiheit erziehen, zum selbständigem Denken und zu Selbstbewusstsein, statt daß sie uns ausstatten mit dem Mut zu handeln und vielleicht Fehler zu machen und den geistigen Werkzeugen, falsch und richtig zu unterscheiden, stopfen sie uns mit uniformem, nutzlosem Wissen voll, zwingen uns gleichmacherische Maßstäbe und Bewertungen auf, formalisieren unsere Phantasie bis sie verkümmert und erdrücken unsere Freiheit mit Hierarchie.
Klar, daß uns die Idee der Anarchie da als zerstörerisch erscheint und ihre Umsetzung in größerem Maßstab auch tatsächlich immer in Terror endet. Klar, daß uns Chaos als destruktiv erscheint. Klar, daß wir da Recht und Gesetz brauchen. Wir wurden nie erzogen, Freiheit wahrzunehmen, weder unsere noch die der anderen. Unsere Wahrnehmung ist verzerrt, gestört, beschränkt.
Es ist wie mit Medizin. Es kann nötig, lebensnotwendig scheinen, sie zu nehmen, wenn man krank ist. Aber so wie Gift Medizin ist, ist Medizin auch Gift. Nicht selten Rauschgift. Wir sind süchtig, wir können scheinbar nicht mehr ohne auskommen, und je mehr wir kriegen, desto mehr brauchen wir. Wir fürchten uns vor dem Entzug, denn das ist ein schmerzhafter Prozess, der viel Kraft erfordert. Und Kraft haben wir keine, und die Droge lullt uns ein, und wir sind gerne eingelullt und wehren uns nicht und verdrängen den Schmerz mit noch mehr Drogen, während man uns quält.
Das ist es. Das ist der Grund, warum man uns Sicherheitspakete auferlegt. Das ist der Grund, warum wir in einer Demokratur leben. Das ist der Grund, warum man unsere Privatsphäre mit Füßen tritt. Das ist der Grund, warum sich vernetzte Informationen gegen uns wenden. Das ist der Grund, warum man uns weismachen kann, Kriege seien legitim. Das ist der Grund, warum wir Angst haben. Das ist der Grund, warum wir diese Wahrheit leugnen. 1